Sonntag, 20. Mai 2012
Galerie Heupgen - Aktuelles -

"Das Zeichnen ist das Schönste"

Garbisdorf. Wie macht man auf einen runden Geburtstag aufmerksam, und was schenkt man einem bekannten Künstler mit einem solch unverwechselbaren Stil? Diese Fragen stellen sich viele angesichts des bevorstehenden 70. Wiegenfestes des Altenburger Malers und Grafikers Peter Schnürpel.

Foto: Mario Jahn

Foto: Mario Jahn

Foto: Mario Jahn

Eine Ausstellung dachten sich seine Freunde. Was zunächst als nicht gerade originell erscheint, erwies sich am vergangenen Freitagabend als gelungene Überraschung für das Fast-Geburtstagskind. „Ich habe die Ausstellung heute wirklich zum ersten Mal gesehen“, sagt der Künstler. Die Grafiken geben einen Überblick über 30 Jahre seines Schaffens. Sie werden gezeigt in der Galerie „Pferdestall“ im Quellenhof Garbisdorf.

Die Ausstellung nennt sich „Läufer Träger Dancers“. Wer mit der Arbeit von Schnürpel vertraut ist, der weiß, diese drei Worte umreißen ein Künstlerleben vom Studium, über Lehrtätigkeit, Arbeit in Ateliers, Arbeit in der Druckwerkstatt, bis zu Zeichnen, Zeichnen, und immer wieder Zeichnen. Und immer wieder den menschlichen Körper in seiner Kraft und in seinem Verfall, in seiner Hilfsbereitschaft und in seiner Hilflosigkeit. „Unter Hunderten von Beiträgen einer Kunstausstellung erkennt man Peter Schnürpels Werke mühelos heraus“, sagt Kunsthistoriker Dieter Gleisberg in seiner Laudatio zur Eröffnung. Von den wenigen zeitgenössischen Künstlern, denen man dies nachsagen kann, waren viele zur Ausstellung angereist. Allesamt Künstlerfreunde.

Wer den Jubilar kenne, der wisse um dessen Talent, auf Menschen zuzugehen, um sein durchweg freundliches Bemühen um Ausgleich und Gemeinschaft, so Dieter Gleisberg. Und er fügte hinzu: „Daher lag es nahe, diese Ausstellung in einen kleinen Freundschaftstempel zu verwandeln.“ Und den bevölkerten weit über 100 Freunde, nicht nur aus Künstlerkreisen. „Man freut sich schon, wenn man sein Zeug mal hängen sieht“, sagte Schnürpel  gerührt im Gespräch mit Galerist Günter Lichtenstein. Beide sind seit Jahrzehnten befreundet.

In Leipzig wurde Peter Schnürpel im Krieg geboren, dort besuchte er die Grundschule und die Oberschule. Das seien seine Leipziger Schulen gewesen, merkte er ganz ohne Ironie an. Seinen Lehrer an der Leipziger Hochschule, den 1983 verstorbenen Maler Karl Krug, den schätze er noch heute. Krug sei in keinem der Klüngel verwickelt gewesen.


Schnürpel hat seinen Weg gefunden. Die Radierung wurde zu seinem künstlerischen Ausdrucksmittel. Das ist eine Drucktechnik, die bis in das Mittelalter zurückgeht. Die Worte Metallplatte, Griffel und Säure umreißen das, womit der Grafiker Bewegung aufs Druckpapier bringt. Seine sportlichen Läufer, seine tragischen Träger, seine tanzenden Tänzer. Die Blätter „Black Dances“ sind dem emeritierten Professor in den letzten Jahren zum künstlerischen Vergnügen geworden.

Sind sie ein Alterswerk? Sie sind ein Werk seines jeweiligen Alters, so wie jede Grafik von ihm. Die wunderbare Radierung „Für Rodin II“ ist ein Alterswerk aus dem Jahre 1978 und der Druck „Flugversuch“ ist ein Alterswerk aus dem Jahre 1995. Der Tausch der Worte und Sätze zwischen Günter Lichtenstein und Peter Schnürpel ließ es still werden in der Galerie. Günter Lichtenstein: „Die Radierung ist die Königin der Drucktechniken.“

Peter Schnürpel: „Das höre ich gern.“ Und dann das Bekenntnis: „Das Zeichnen ist das Schönste, was es gibt.“
Noch vor Fußball, Handball und dem von ihm so geliebten Tischtennis. Zur Garbisdorfer Ausstellung ist im Altenburger E.-Reinhold-Verlag ein Katalog erschienen. Er nennt sich „Läufer Träger Dancers – Peter Schnürpel zum 20. Februar 2011“ und erscheint in der Reihe der Göpfersdorfer Kunstblätter als die Nummer 4. Er enthält sehr persönliche Texte von Weggefährten des Künstlers.
Zu denen gehört auch der Schriftsteller Ingo Schulze. Er erfand das Kunstwort „schnürpeln“, dessen Gebrauch er immer dann anrät, wenn etwas schön geworden ist und in der Balance bleibt. Dies aufgreifend beendete Dieter Gleisberg seine Laudatio mit den Worten: „Diese Ausstellung, denke ich, ist schön geworden und gewährt in raumbedingt knapper Auswahl einen überzeugenden Einblick in das Wollen und das Wesen der Kunst des Jubilars.“

28.01. bis 24.03.2011 "Läufer, Träger, Dancers"
Ausstellungseröffnung am 28. Januar 2011 um  19:30 Uhr, Kulturgut Quellenhof, Garbisdorf Nr. 6. Zur Einführung spricht Dieter Kleisberg.

(Artikel erschienen am 2.2. in der Osterländer Volkszeitung, Autor: Edeltraud Peschel, Foto: Mario Jahn)


© galerie-heupgen.com 02.03.2011

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